Der Medien-Doktor

Von Journalisten für Journalisten: Der Medien-Doktor übernimmt als Online-Medium eine grundlegende Beobachtungs- und Aufklärungsfunktion - auch gegenüber den Medien selbst. Besonders im Medizinjournalismus sind Quellentransparenz und eine gründliche Recherche wichtig.

Das Projekt wurde am Lehrstuhl für Wissenschaftsjournalismus entwickelt. Mehrmals pro Woche begutachtet ein Gutachterpool aus erfahrenen Wissenschafts- und Medizinjournalisten Beiträge nach definierten Kriterien: Ein Beitrag über eine medizinische Therapie, ein Medikament oder ein Diagnoseverfahren gilt dann als besonders gut, wenn sich die Medien-Nutzer ein möglichst vollständiges Bild über dessen Vor- und Nachteile machen können.

  • Was ist das Projekt Medien-Doktor Medizin?

    Was ist das Projekt Medien-Doktor Medizin?

    Der Medien-Doktor ist ein Angebot von Journalisten für Journalisten, angesiedelt am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der Technischen Universität Dortmund. Mit Hilfe eines Gutachterpools aus Journalisten beurteilen wir mehrmals pro Woche medizinjournalistische Beiträge in Print-,TV-, Hörfunk- und Online-Medien nach definierten Kriterien. Die Ergebnisse der journalistischen Gutachten präsentieren wir auf der Webseite www.medien-doktor.de. Das Portal ist seit November 2010 online und wird seitdem laufend erweitert und verbessert. Eine Übersicht aller bisherigen Bewertungen finden Sie hier.

    Die Gutachter des Medien-Doktors, allesamt erfahrene Wissenschafts- und Medizinjournalisten, folgen einem Kriterienkatalog, den schon internationale Vorläuferprojekte anwenden. Gemeinsam ist diesen medizinjournalistischen Kriterien die starke Orientierung an dem, was Leser, Zuhörer und Zuschauer an Informationen benötigen, um sich ein vollständiges Bild über eine medizinische Therapie, eine Behandlungsart, ein medizinisches Produkt oder einen diagnostischen Test u.

  • Was sind die Ziele des Medien-Doktor Medizin?

    Was sind die Ziele des Medien-Doktor Medizin?

    Der Medien-Doktor möchte helfen, ein Bewusstsein bei Journalisten, Redaktionen und auch bei Mediennutzern für bestimmte Standards in der Berichterstattung über medizinische Themen zu schaffen. Damit hoffen wir, die Qualität journalistischer Beiträge zu verbessern, wobei der Fokus auf Themen liegt, die auch für Patienten und ihre Angehörigen besondere Bedeutung haben.

    Dabei geht es keineswegs darum, Medien oder gar einzelne Journalisten an den Pranger zu stellen. Vielmehr möchten wir gerade medizinjournalistischen Positivbeispielen mehr Aufmerksamkeit verschaffen und zugleich auf Problemstellen in der Medizinberichterstattung aufmerksam machen, bei denen noch Verbesserungsbedarf besteht. Selbstverständlich ist uns hier bewusst, dass die Arbeitsbedingungen von Journalisten in den begutachteten Medien zum Teil sehr unterschiedlich sind und auch die Qualitätsmaßstäbe im Detail variieren können. Dennoch sind wir überzeugt, dass die auf medien-doktor.de diskutierten Kriterien gut geeignet sind, um allen Journalisten eine Orientierung für die eigene Arbeit in der Medizinberichterstattung zu geben.

    Die Erkenntnisse aus dem Monitoring werden am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der Technischen Universität Dortmund systematisch ausgewertet. So können die Ergebnisse nicht nur in die journalistische Qualitätsforschung einfließen, sondern auch gezielt in die journalistische Ausbildung und in Weiterbildungsprojekte - etwa im Rahmen einer fachbezogenen "Blattkritik" (oder Sendekritik), die den Redaktionen im Rahmen der Initiative Wissenschaftsjournalismus angeboten wird.

  • Woher stammt die Idee eines Medien-Doktors Medizin?

    Woher stammt die Idee eines Medien-Doktors Medizin?

    Der Anlass für die Entwicklung eines "Medien-Doktors" für Deutschland war die Beobachtung großer Unterschiede in der Berichterstattung über Medizinthemen in Deutschland. Während auf der einen Seite hervorragend recherchierte Beiträge stehen, scheint andernorts oft jedes Bewusstsein dafür zu fehlen, welche irreführenden oder sogar Patienten gefährdenden medizinischen Botschaften mitunter berichtet werden. Über medien-doktor.de sollen nun Maßstäbe für Qualität insbesondere im Patienten-orientierten Medizinjournalismus transparent gemacht und zur Diskussion gestellt werden. Die Ansiedlung an der Dortmunder Universität garantiert dabei eine größtmögliche Unabhängigkeit für die Bewertung von Beiträgen und ermöglicht eine wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse.

    Die ursprüngliche Idee eines systematischen Monitoringprojektes im Stile des Medien-Doktor wurde von australischen Medizinern um David Henry entwickelt, die im Jahr 2004 den australischen Medien-Doktor gründeten. Dem australischen Vorbild folgten später Projekte in Kanada (Media Doctor Canada), den USA (HealthNewsReview) und Hongkong. Bei der Entwicklung des deutschen Projektes haben uns Gary Schwitzer und sein Team von HealthNewsReview USA geholfen, bei denen wir uns herzlich bedanken.

    Die Vorläufer-Projekte im Ausland inspirierten unabhängig voneinander verschiedene deutsche Medizinjournalisten (darunter Christian Weymayr, Volker Stollorz und Klaus Koch) zu einem Medien-Monitoring der Medizinberichterstattung. Diese Überlegungen liefen am Dortmunder Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus schließlich zum Projekt Medien-Doktor zusammen. Die genannten Kollegen unterstützen uns nun zusammen mit zahlreichen weiteren Medizin- und Wissenschaftsjournalisten als Gutachter und Berater.

  • Wie sehen die medizinjournalistischen Kriterien aus?

    Wie sehen die medizinjournalistischen Kriterien aus?

    1. Nutzen: Wie ist der Nutzen einer Behandlungsart/eines Tests/eines Produkts oder eines Verfahrens dargestellt?

    2. Risiken und Nebenwirkungen: Werden bzw. wie werden Risiken und Nebenwirkungen dargestellt?

    3. Belege: Versucht die Geschichte die Qualität der Belege/der Evidenz einzuordnen?

    4. Experten: Gibt es eine weitere Quelle und wurden im Artikel irgendwelche Interessenkonflikte offen gelegt

    5. Mehr als Pressemitteilung:  Basiert der Beitrag ausschließlich oder überwiegend auf einer Pressemitteilung?

    6. Neuheit: Macht der Beitrag klar, wie neu ein Ansatz wirklich ist?

    7. Alternativen: Werden alternative Optionen für die vorgestellte Behandlungsart/Test/Produkt/Verfahren erwähnt?

    8. Verfügbarkeit: Wie ist die Verfügbarkeit einer Behandlungsart/Tests/Produkts/Verfahrens?

    9. Kosten: Werden Kosten – und wenn ja – wie werden Kosten in der Geschichte angesprochen?

    10. Krankheitserfindungen: Gibt es Anzeichen für "Disease mongering" (Krankheitserfindungen/-übertreibungen)?

      Erläuterungen zu den einzelnen Kriterien inklusive Beispielen gibt es hier.
  • Wie sehen die allgemeinjournalistischen Kriterien aus?

    Wie sehen die allgemeinjournalistischen Kriterien aus?

    1. Themenauswahl: Ist das Thema aktuell, relevant oder originell gewählt?

    2. Vermittlung: Ist die journalistische Umsetzung des Themas gelungen oder sogar vorbildlich für das gewählte Format?

    3. Faktentreue (Richtigkeit): Gibt der Beitrag die wesentlichen Fakten richtig wider?

    Erläuterungen zu den einzelnen Kriterien inklusive Beispielen gibt es hier.

  • Blog, Specials, Tools für Journalisten - Was bietet der Medien-Doktor Medizin noch?

    Blog, Specials, Tools für Journalisten - Was bietet der Medien-Doktor Medizin noch?

    Der Medien-Doktor bietet mehr als nur Gutachten über die Medizin-Berichterstattung in deutschen Medien:

    • "Sprechstunde":
      Blog, in dem Holger Wormer, Marcus Anhäuser und Christian Weymayr sich Themen widmen, die in den Gutachten nicht abgehandelt werden können, aber dennoch zur Diskussion um Qualität und Verantwortung im Medizinjournalismus beitragen.
      Zum Blog
    • "Specials":
      Der Medien-Doktor wird sich in einzelnen Sonderaktionen auch ganz bestimmten Themen widmen, z.B. der Frage "Wie gut berichten Frauenzeitschriften über neue Therapien, Produkte und Nahrungsergänzungsmittel?" oder "Berichten Gesundheitsportale besonders gut über Medizinthemen?" oder "Wie fällt die Berichterstattung zum Thema Brustkrebsscreening aus?"
      Zu den Specials
    • "Tools für Journalisten":
      Der Medien-Doktor stellt auch Artikel und Links zur Verfügung, die Journalisten bei der Berichterstattung über Medizin- und Gesundheitsthemen weiter helfen können.
      Zu den Tools
  • Welche Personen waren federführend an der Entwicklung beteiligt?

    Welche Personen waren federführend an der Entwicklung beteiligt?

  • Wer sind die Gutachter des Medien-Doktor Medizin?

    Wer sind die Gutachter des Medien-Doktor Medizin?

    Ein Team von rund 20 erfahrenen Wissenschafts- und Medizinjournalisten aus allen Mediengattungen unterstützt das Projekt als Gutachter. Dies sind (in alphabetischer Reihenfolge):

    • Hristio Boytchev
    • Dr. Elke Brüse
    • Dr. Tilman Hassenstein
    • Nicole Heißmann
    • Dr. Patrick Hünerfeld
    • Sascha Karberg
    • Martina Keller
    • Sabine Keller
    • Dr. Klaus Koch
    • Nicola Kuhrt
    • Dr. med. Martina Lenzen-Schulte
    • Dr. Regina Oehler
    • Dr. Wiebke Rögener-Schwarz
    • Dr. Eva Schindele
    • Nicole Simon
    • Volker Stollorz
    • Dr. Astrid Viciano
    • Dr. Christian Weymayr
    • Martin Winkelheide
    • Dr. Frank Wittig
    • Kathrin Zinkant
  • Wie wird das Medien-Doktor-Projekt finanziert?

    Wie wird das Medien-Doktor-Projekt finanziert?

    Der Medien-Doktor wird derzeit vor allem aus Mitteln der Initiative Wissenschaftsjournalismus sowie des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus am Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund finanziert. Ferner wird das Projekt von der Wissenschafts-Pressekonferenz und dem Verband der Deutschen Medizinjournalisten unterstützt. Für die Zeit ab 2012 sucht medien-doktor.de weitere Partner, die das Projekt ideell und finanziell unterstützen möchten (Kontakt für Interessenten: Marcus Anhäuser und Holger Wormer).

    Ein wichtiges Ziel des Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus ist die enge Verknüpfung von Journalismusforschung und Lehre mit der Realität in den Redaktionen der Massenmedien. Damit soll auch die offensichtliche Kluft zwischen Journalismustheorien und journalistischer Praxis überwunden werden. Fragen der Qualität im Wissenschafts- und Medizinjournalismus, der Recherche und Vermittlung sowie der journalistischen Ethik stehen dabei im Mittelpunkt.

    Die Initiative Wissenschaftsjournalismus – als Drittmittelprojekt angesiedelt am Dortmunder Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus – ist ein gemeinsames Projekt der Robert Bosch Stiftung, des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der BASF SE. Die drei Partner wollen damit die unabhängige und hochqualitative wissenschaftsjournalistische Berichterstattung in Deutschland stärken. Noch bis Ende 2011 wird die Initiative Weiterbildungsprogramme und Vernetzungsmöglichkeiten für Wissenschaftsjournalisten in Deutschland bieten.