Das aktuelle Seminar

2016: Die Energiewende

Deutsch-französisches Seminar zum Thema "Die Energiewende!?"

Séminaire franco-allemand "Sortir du nucléaire !?"

Fukushima, Tschernobyl, Harrisburg: Für Deutschland mehr als drei Gründe für den (erneuten) Ausstiegsversuch aus der Nutzung der Atomkraft. In Frankreich hingegen keine Spur von einer Energiewende - jedenfalls nicht von einem Abschied der Kernenergie. Welche kulturellen, wirtschaftlichen und historischen Unterschiede sind der Grund für die verschiedenen Strategien in beiden Ländern? Und wo gibt es doch Gemeinsamkeiten mit Blick auf die Energieversorgung der Zukunft? Wie kam es in Deutschland zur Umweltbewegung, wie hängen gerade in Frankreich militärische und zivile Kernforschung zusammen? Und wie unterscheidet sich die Berichterstattung zum Thema in den Medien? Eine Woche lang gaben Experten aus Frankreich und Deutschland in einer gemeinsamen Seminarkonferenz der Universitäten in Dijon, Strasbourg und Dortmund Antworten auf diese Fragen. Gleichzeitig trainierten die Studierenden aus beiden Ländern in einer simulierten aktuellen Berichterstattung über eine Fachkonferenz journalistische Stilformen wie Bericht, Kommentar, Interview und Reportage.

Jeder Tag des Seminars war einem bestimmten Themenschwerpunkt gewidmet. So gab die Kuratorin für Chemie des Deutschen Museums Einblicke in die Geschichte der Kernspaltung, bevor Teilchenphysiker und Energiewissenschaftler den Wandel der Kernenergieforschung zur Atombombenforschung nachzeichneten und die Funktionsweise von Atomkraftwerken erläuterten. Mit einer Risikoforscherin, einem Meterologen und einem Umweltexperten sprachen die Teilnehmer über mögliche Gefahren sowie die wirtschaftlichen und politischen Zwänge der Atomenergie. Zwei Repräsentaten der deutschen und französischen Wissenschaftsakademien warfen einen Ausblick auf die Zukunft der Energieversorgung und stellten sich der Diskussion mit den Studierenden. Vom derzeitigen Entwicklungsstand der Energiewende konnten sich die Teilnehmer bei einer Exkursion in einen Windkraftpark überzeugen.

Das Seminar diente nicht nur dazu, mehr über die zukünftige Energieversorgung und den Ausstieg aus der Atomenergie zu erfahren. Die Studierenden lernten auch, über eine Fachtagung wissenschaftsjournalistisch zu berichten. Unter Realbedingungen verfassten sie am Anschluss an die Vorträge Artikel, die von den Seminarleitern in den morgendlichen Konferenzen kritisch und konstruktiv besprochen wurden. Es blieb dennoch genügend Zeit, um gemeinsam mit den französischen Gästen das kulturelle Angebot Dortmunds und des Ruhrgebiets zu erkunden.

Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle der Caspar Ludwig Opländer Stiftung, die das Seminar seit 2012 finanziell fördert und ohne deren Unterstützung der intensive deutsch-französische Austausch nicht möglich wäre. Eine Übersicht über die bisherigen Seminare finden Sie hier.

Programm

Das deutsch-französische Seminar fand vom 14. bis zum 19. Februar 2016 statt – zum neunten Mal als gemeinsame Veranstaltung des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus in Dortmund und des Masterstudiengangs Communication Scientifique et Technique aus Straßburg. Seit 2013 gehört auch die Université de Bourgogne aus Dijon der Kooperation an. Während des Seminars nahmen die Studierenden an den Konferenzen teil. Sie verglichen die Medienberichterstattung zu den Reaktorunfällen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) und sprachen mit einem Umweltjournalisten über die Energie- und Klima-Berichterstattung in Frankreich und Deutschland. Ein Besuch einer Windkraftanlage in Gladbeck gehörte ebenfalls zum Programm. Dort konnten sich die zukünftigen deutschen und französischen Wissenschaftsjournalisten ein Bild von den Möglichkeiten und Auswirkungen der Windkraftnutzung machen. Außerdem lernten die Studierenden ein Bürgerbeteiligungsprojekt im Bereich erneuerbare Energien kennen.

Das Programm zum Seminar (PDF)

Glossar

Als Vorbereitung auf das Seminar verfassten die Teilnehmer Vokabellisten mit nützlichen Begriffen rund um das Thema "Energiewende" – von A wie approvisionment énergétique (Energieversorgung) bis Z wie atomarer Zerfall (désintégration atomique). Das Glossar ermöglichte den Studierenden, den teils auf Deutsch, teils auf Französisch gehaltenen Vorträgen besser folgen zu können.

Das Glossar zum Seminar (PDF)

Schreibwerkstatt

Die journalistische Berichterstattung von einer wissenschaftlichen Konferenz stand im Fokus des Seminars. Nach einer Einführung in die journalistischen Formen Bericht, Kommentar, Interview und Reportage - bei der auch Unterschiede in Frankreich und Deutschland zur Sprache kamen - verfassten die Studierenden abends Artikel zu den Themen des Tages. Die Mühe hat sich gelohnt: Die besten deutschen und französischen Texte wurden von der Jury ausgezeichnet. In Kürze folgen hier die prämierten Artikel zum Nachlesen.